Volkstrauertag

„Der Volkstrauertag mit seinem Innehalten in der Alltagshektik bietet die Chance, der Trauer um den Verlust so vieler Menschen Raum zu geben und einem dunklen Kapitel unserer Geschichte zu gedenken“, unterstreichen Oberbürgermeister Claus Kaminsky und die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck die Bedeutung dieses Tages. Trotzdem hat die Stadt mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen und einer 7-Tage-Inzidenz von über 300 in Hanau entschieden, auf die öffentlichen Gedenkfeiern anlässlich des Volkstrauertages zu verzichten. „Doch eine Gesellschaft zeigt mit solchen Tagen der Erinnerung und der Einkehr auch, was ihr wichtig ist und welchen Stellenwert das gemeinsame Gedenken hat.“ Daher sollte das Gedenken nicht gänzlich ausfallen, sondern in anderer Form stattfinden. Während die Kranzniederlegungen vor Ort in kleinem Rahmen erfolgen, sind die Ansprachen der Stadtverordnetenvorsteherin und von Pfarrer Differenz und Reiner Dieser aus Klein-Auheim sowie die Ansprachen in Großauheim hier online gestellt, ergänzt durch Fotos von den Kranzniederlegungen und Darstellung der Rede der Ortsvorsteherin Frau Geier-Roth aus Mittelbuchen.

Videoansprache von Stadtverordnetenvorsteherin Funck zum Volkstrauertag 2020

Videoansprache von Pfarrer Differenz zum Volkstrauertag 2020

„Der Volkstrauertag mit seinem Innehalten in der Alltagshektik bietet die Chance, der Trauer um den Verlust so vieler Menschen Raum zu geben und einem dunklen Kapitel unserer Geschichte zu gedenken“, unterstreichen Oberbürgermeister Claus Kaminsky und die Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck die Bedeutung dieses Tages. Beide bedauern es sehr, dass dieses gemeinsame Gedenken nicht in der üblichen Weise vor Ort stattfinden kann.

„Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen und einer 7-Tage-Inzidenz von über 300 in Hanau haben wir schweren Herzens entschieden, auf die öffentlichen Gedenkfeiern anlässlich des Volkstrauertages zu verzichten“, hofft Hanau OB auf Verständnis in der Bevölkerung, dass die Stadt sich entschlossen hat, am 15. November lediglich Kranzniederlegungen an den Gedenkstätten vorzunehmen und die eigentliche Gedenkveranstaltungen nur virtuell stattfinden zu lassen. Die aktuellen Corona-Regelungen hätten zwar solche Gedenkveranstaltungen grundsätzlich zugelassen, allerdings nur in engen Grenzen und mit nur sehr wenig Teilnehmenden.

Ortsvorsteher Klaus Romeis (links), Jackie Höhn als Vertreter des Sozialverband VdK Steinheim / Klein-Auheim
Foto: Hackendahl

„Eine Gesellschaft zeigt mit solchen Tagen der Erinnerung und der Einkehr, was ihr wichtig ist und welchen Stellenwert das gemeinsame Gedenken hat.“ Im Bestreben, dem Vergessen entgegenzutreten und die Erinnerung für die nachfolgenden Generationen wachzuhalten, fordere der Volkstrauertag zu stetem Einsatz für Frieden und Wahrung der Menschenrechte. Daher wird natürlich auch in diesem Jahr das Gedenken nicht gänzlich ausfallen, sondern in anderer Form stattfinden. Während die Kranzniederlegungen vor Ort in kleinem Rahmen erfolgen, werden die Ansprachen der Stadtverordnetenvorsteherin sowie einiger Kirchenvertreter als Videobeitrag auf hanaudaheim.de online gestellt, ergänzt durch Fotos von den Kranzniederlegungen.

Foto: Roland von Gottschalck, Medienzentrum Hanau-Bildarchiv

Auf dem Hauptfriedhof übernehmen es die Stadtverordnetenvorsteherin Funck, Oberbürgermeister Kaminsky und Pfarrerin Katrin Kautz für die Hanauer Kirchengemeinden sowie Horst Henke vom VdK, gemeinsam einen Kranz auf dem Ehrenfeld niederzulegen.

Auf dem Friedhof in Mittelbuchen werden Ortsvorsteherin Caroline Geier-Roth und Pfarrerin Stefanie Bohn am Ehrenmal einen Kranz niederlegen. Das Gedenken auf dem Friedhof Klein-Auheim gestalten Ortsvorsteher Feldes sowie Kirchenvertreter der katholischen und evangelischen Kirche. Am Ehrenhain des Alten Friedhofes Großauheim legen Ortsvorsteher Rainer Dunkel, Monika Rauch-Weigand vom VdK sowie Pfarrer Wolfgang Bromme einen Kranz nieder. An der Pestkapelle Steinheim übernehmen dies Ortsvorsteher Klaus Romeis und Jackie Höhn vom VdK.

Eine Woche nach dem Volkstrauertag findet traditionell der Wolfgänger Gedenktag statt. Auch hier gibt es nur eine Kranzniederlegung auf dem Friedhof Wolfgang durch Ortsvorsteher Reiner Dunkel, Monika Rauch-Weigand von VdK und Pfarrer Bromme.

 

Ansprache von Ortsvorsteherin Hanau-Mittelbuchen Caroline Geier-Roth zum Volkstrauertag 2020

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Frau Pfarrerin Bohn,

dieser Volkstrauertag ist anders als bisher gewohnt. In der Regel haben sich hier am Volkstrauertag zahlreiche Menschen versammelt. Heute sind wir noch nicht einmal eine Hand voll. Heute – am 15. November 2020 in Zeiten von Corona – ist vieles ganz anders. Darum möchte ich den Fokus meiner Rede nicht auf die Vergangenheit richten, auf die ehrende Erinnerung an Kriegsopfer, an Vertriebene, an Flüchtlinge der beiden großen Weltkriege. Heute – in Zeiten von Corona – möchte ich den Fokus auf das Hier und jetzt lenken. Sie, ich, wir alle – alle Menschen weltweit – sind derzeit von der größten Pandemie der jüngsten Geschichte betroffen.

Wir alle sind in vielerlei Hinsicht verunsichert und verängstigt. Wir sorgen uns um die Gesundheit unsere Lieben, um unsere eigene Gesundheit. Viele sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, ihr Einkommen, ihr gesamte Existenz. Viele sorgen sich um nicht nur um die biologische Gesundheit ihrer Angehörigen, sondern auch um die psychische Gesundheit. Wir sind konfrontiert mit notwendiger sozialer Distanz neudeutsch „social distancing“, um die Verbreitung des Virus zu stoppen oder zu verlangsamen. Dadurch kommt es aber auch zu vermehrter Vereinsamung, gerade der Menschen, die schon alt und gebrechlich oder psychisch angeschlagen sind. Aber auch eigentlich junge, gesunde Menschen und Familienverbände sind in vielerlei Hinsicht in Mitleidenschaft gezogen und oft am Rande der Leistungs- und Leidensfähigkeit. Nach dem Lockdown im Frühjahr und dem langsamen Wiederhochfahren von gesellschaftlichen Aktivitäten und der Wirtschaft hatten viele von uns gehofft, dass die Pandemie vorbei sein könnte. Gehofft ja, aber es war auch leider sehr wahrscheinlich, dass sich mit dem Beginn der kalten Jahreszeit die Lage wieder verschlechtern würde. Dass es allerdings so rapide wieder schlimmer werden würde, dass die Infektionszahlen so stark steigen würden, damit hatten viele von uns nicht gerechnet. Kürzlich wurde ein neuer Teil-Lockdown notwendig, seitens der Politik verordnet und vollzogen. Um die Pandemie einzudämmen ist dies sicherlich erforderlich und sinnvoll. Gleichzeitig verschärft dies aber wieder die Existenzkrise im Bereich der Restaurants, Hotels und Kulturtreibenden. Schwierig sind hier die Entscheidungen, was richtig, zielführend und maßvoll ist.

Ich erlebe aber mit, dass sich die politisch Verantwortlichen im Bund, Land und der Kommune vor Ort sehr verantwortungsvoll verhalten und nach besten Lösungen suchen und Risiken und Schäden gegeneinander abwägen und auch mit zahlreichen Hilfsprogrammen finanziell helfen wollen und können. Hier gilt die Devise zusammenhalten und durchhalten.

Erschreckend und verantwortungslos finde ich hingegen das Verhalten derjenigen, die ohne Abstand zu halten, ohne Mund-Nasen-Schutz und Rücksicht auf andere mit Verschwörungstheorien noch mehr Angst, Hass und Aggression schüren wollen. Heute am Volkstrauertag will ich die Bezeichnung Volks-Trauer-Tag noch in einer anderen Weise unter die Lupe nehmen. Und zwar in dem Sinne, dass wir alle, dass die Bevölkerung in Deutschland, in Europa, auf der ganzen Welt von dieser schrecklichen Pandemie betroffen ist, dass wir alle auch eine Art Trauer in uns tragen, eine Trauer um verpasste Möglichkeiten, eine Trauer, weil wir unsere Lieben nicht sehen und treffen können, eine Trauer wegen finanzieller und existentieller Nöte, dass wir uns aber alle darauf besinnen sollen, dass wir nur gemeinsam, im Miteinander und Füreinander, mit Vorsicht, Abstand, Rücksicht und gegenseitigem Schutz und gegenseitiger Unterstützung durch diese Krise kommen können und werden. Lassen Sie uns also gemeinsam darauf achten, was jeder von uns beitragen kann, damit wir alle gesund, heil und gut durch diese Krise kommen.

Passen Sie auf sich und Ihre Lieben auf und bleiben Sie bitte gesund.

Datum

12.11. 2020
Vorbei!

Uhrzeit

08:00 - 18:00