Objekt der Woche #95

Louise von Ploennies (1803-1872)

Heute erinnern wir an eine vor 150 Jahren verstorbene Dichterin und Übersetzerin (22.1.1872): Louise von Ploennies.

Die Tochter des Hanauer Arztes, Naturforschers und Mitgründers der Wetterauischen Gesellschaft Jean Philippe Achilles Leisler (1772-1813) und der Ernestine Charlotte Sophie von Wedekind (1783-1807) kam am 7. November 1803 am Neustädter Marktplatz zur Welt. Der Pastor der wallonischen Gemeinde Girard taufte am 13. November 1803. Ihre erste Schulbildung genoss sie am Institut für höhere Töchter der Schwestern Kiesewetter in Hanau; damals durften Mädchen noch nicht das Gymnasium besuchen.

Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wuchs Louise ab 1817 bei ihren Großeltern von Wedekind in Darmstadt auf, Großvater Georg war Freiherr und Leibarzt des Großherzogs Ludwig. Am 7. Juni 1824 wurde Hochzeit mit dem Arzt und Medizinalrat August von Ploennies (1796-1847) auf dem Leislerschen Hofgut in Windecken gefeiert. Das Paar hatte neun Kinder.

Nach einer Belgienreise mit ihrer Tochter Marie übersetzte Louise von Ploennies ab 1840 flämische und niederländische Literatur ins Deutsche und schrieb Reiseberichte, wofür sie in die Literarischen Akademien Gent und Antwerpen aufgenommen sowie 1845 Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Brüssel wurde. Nach dem Tod ihres Mannes 1847 lebte sie in Jugenheim an der Bergstraße, ab 1854 wieder in Darmstadt. Hier versammelte sie literarisch Interessierte, schrieb vermehrt katholisch-geistliche Lyrik und bearbeitete Bibelstoffe in konservativ-politischer Haltung – auch mit antisemitischen Anklängen, nicht ungewöhnlich für Vertreterinnen und Vertreter der Romantik.

Zu ihren Werken zählen Liebes- und Landschaftsgedichte, die in zahlreichen Zeitschriften erschienen (Musenalmanach, Das Vaterland, Lewalds Europa, Morgenblatt etc.) und von Johann Karl Gottfried Loewe vertont wurden, Sonettenkränze und biblische Dramen wie Maria Magdalena (1870) und David (1873 postum). Auch trat sie als Übersetzerin englischer Texte hervor, publizierte die Gedichtsammlungen Britannia (1843) und Englische Dichter (1867). Ihr wohl bekanntestes Werk ist Mariken von Nymwegen (1853) – eine Art weiblicher Faust. Sie starb in Darmstadt.

Zu Hanau hatte Louise von Ploennies mit ihrem Wegzug nach Südhessen trotz ihrer weitläufigen Leisler-Verwandtschaft kaum Kontakt. Immerhin: die Brüder-Grimm-Stadt Hanau ist ihr Geburtsort. Neben vielen anderen Literatinnen und Literaten mehr, die an Kinzig und Main zur Welt kamen oder hier wirkten.

Die Reihe „Objekt der Woche“ erscheint in der Pandemie jeden Montag. Anregungen und Hinweise gerne an martin.hoppe@hanau.de

Foto: Louise von Ploennies, Fotografie um 1860 (copyright: Stadtbibliothek Hanau / Landeskundliche Abteilung Hanau-Hessen)

Datum

24. - 30.01. 2022
Vorbei!

Uhrzeit

08:00 - 18:00