20 Jahre Kindergrabmal

„Unabhängig von allen rechtlichen Gegebenheiten, war es immer unser Anliegen allen Kindern ein Grab zu geben. Mit der Errichtung einer Stätte für Kindergrabmale wurde für Eltern von Stillgeburten ein würdiger Ort der Erinnerung und des Gedenkens geschaffen. Ein dem Anlass angemessenes, einheitliches und an Schlichtheit orientiertes Bild des Kindergrabmals, gibt Eltern, Geschwistern, Verwandten und Freunden die Möglichkeit zum Verweilen, Innehalten und Trauern. Aber auch um bei allem Kummer eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln.“

– Stadtrat Thomas Morlock

Kindergrabmal

Ein eigens dafür ausgewiesenes Grabfeld, das Kindergrabmal, ist als künstlerisch gestaltete Anlage mit einem „Tor zu einer anderen Welt“, dem „Weg der Erinnerung“ und dem „Gemeinschaftlichen Grablicht“ als gemeinsamer Raum mit Sternen zum Gedenken an die Bestattungen geschaffen worden. Hier können nicht bestattungspflichtige Kinder gemeinschaftlich oder individuell beigesetzt werden. Es ist in seiner Schlichtheit ein würdiger Ort der Erinnerung und des Gedenkens.

Die gemeinschaftlichen Beisetzungen werden durch die Hanauer Krankenhäuser veranlasst.

Bei der gemeinschaftlichen Beisetzung wird der links neben der Grabstätte befindliche schlichte Grabstern mit dem Beisetzungsmonat gekennzeichnet. Eine namentliche Nennung ist auf einzelnen Pflastersteinen des „Weges der Erinnerung“ möglich. Dazu kann entweder ein kleines beschriftetes Metallschild über die Friedhofsverwaltung bezogen werden oder ein Pflasterstein von einem Steinmetz beschriftet werden. 

Individuelle Beisetzungen zeihen die Pflicht nach sich, den links neben der Grabstätte befindlichen schlichten Grabstern beschriften zu lassen. Die Beschriftung soll spätestens drei Monate nach der Besitzung erfolgen und fachgerecht durch einen Steinmetzbetrieb ausgeführt werden. Ein Nutzungsrecht an einzelnen Grabstätten wird nicht vergeben. Die Lage der Grabstätte wird von der Stadt Hanau vorgegeben. Die Sarggröße soll eine Länge von 0,50 m und eine Breite von 0,30 m sowie eine Tiefe von 0,30 nicht überschreiten. 

Im Kindergrabmal ist es nicht zulässig einzelne Grabanlagen herzurichten. In ihrer Schlichtheit unterliegt die gesamte Anlage der Unterhaltung und Pflege durch die Stadt Hanau.

Das Kindergrabmal Hanau ist eine Grab- und Gedenkstätte: Einmal im Vierteljahr findet an jedem ersten Mittwoch eine gemeinschaftliche Beisetzung für alle nicht bestattungspflichtigen Kinder des Klinikum Hanau und des St. Vinzenz-Krankenhaus zusammen um 15 Uhr statt. Gemeinsame Beisetzungstermine mit dem Klinikum Hanau und dem St. Vinzenz-Krankenhaus sind im Januar, April, Juli und Oktober.

20 Jahre Kindergrabmal: OB Kaminsky und Stadtrat Morlock legen Kranz auf Hauptfriedhof nieder

Es gehört zu den beeindruckendsten Grabfeldern auf dem Hanauer Hauptfriedhof: Das steinerne „Tor zu einer anderen Welt“, das aussieht, als sei es aus großen Bauklötzchen gebaut. Es steht über dem „Weg der Erinnerung“. Eine Sonne auf einer Torsäule symbolisiert die Hoffnung für die Trauernden. Mit diesem vom Bildhauer Volker Rode gestalteten Kindergrabmal bietet die Stadt Hanau die Bestattungsmöglichkeit für fehl- oder totgeborene Kinder.

Als im Jahr 2000 das Kindergrabmal entstand, war Hanau die erste deutsche Stadt mit dieser Art Trauerarbeit. Das hat Oberbürgermeister Claus Kaminsky jetzt in einer kleinen Gedenkveranstaltung hervorgehoben und gemeint: „Wir können stolz darauf sein, hier Vorreiter gewesen zu sein.“ Gemeinsam mit Stadtrat Thomas Morlock legte er einen Kranz am „Tor zu einer anderen Welt“ nieder.

Kaminsky sagte weiter, er habe es sich vor 20 Jahren nicht vorstellen können, „dass für die kleinsten Menschlein eine Beerdigung nicht vorgesehen war“. Mittlerweile können Föten und totgeborene Kinder vor der 24. Schwangerschaftswoche begraben werden.

Kaminsky blickte zurück, wie er als seinerzeit schon zuständiger Klinikdezernent vom Leid der Eltern mit totgeborenen Kindern berührt worden sei. Gemeinsam mit der damaligen Oberbürgermeisterin Margret Härtel, den beiden Krankenhäusern in Hanau sowie den Vertretern von evangelischer und katholischer Kirche habe er daraufhin die Initiative für das Kindergrabmal ergriffen.

Dekan Dr. Martin Lückhoff und Dechant Andreas Weber gedachten am Kindergrabmal der inzwischen 206 fehl- und totgeborenen Kinder, die seit Dezember 2000 im Sternenfeld bestattet wurden. Lückhoff bat in seinem Gebet um Kraft für werdende Eltern und werdendes Leben, ebenso für alle von Eltern von Fehl- und Totgeborenen, auf dass sie nicht vereinsamten. Er dankte allen Trauerbegleitenden für ihren Beistand. Weber zog die Parallele vom Kerzenlicht aus Bethlehem, das jetzt in der Weihnachtszeit von jungen Menschen in Hanau weitergereicht werde, zu den 20 Erinnerungskerzen, die bei der Gedenkstunde als Symbol für 20 Jahre Kindergrabmal brannten.

Am Kindergrabmal finden einmal im Vierteljahr für alle nicht bestattungspflichtigen Kinder gemeinsame Beisetzungstermine statt. Diese werden durch die beiden Hanauer Krankenhäuser veranlasst. Die Pflege der Anlage obliegt der Stadt.

Entstehungsgeschichte Kindergrabmal

1998 Frühsommer Bericht im Fernsehen über Bestattungspraxis Frühgeborener an deutschen Kliniken und Befragung der Krankenhäuser durch die Initiative „Regenbogen“

1999 Mai/Juli Klinikum Hanau regelt, dass ab August 1999 fehlgeborene Kinder in Hanau beigesetzt werden, zuerst in Reihengrabfläche, die eingesät wird

1999 November/Dezember Frau Reelfs stellt Kontakt zwischen Steinbildhauer Rohde und Pfr. Gutheil her

2000 März Hr. Rohde erstellt ein erstes Modell für ein Kindergrabfeld; dieses wird in Mariae Namen und der Christuskirche ausgestellt

2000 April Gründung eines Ökumenischen Spendenkuratoriums (Dekan Mener, Dr. Zwergel, Fr. Reelfs, Hr. Eckenroth, Pfr Gutheil)

2000 Ostern Stadt Hanau stellt Fläche zur Verfügung und sagt Pflege der Anlage zu

2000 Mai Hr Rohde präsentiert sein neues, der Fläche angepasstes Modell

2000 Juni Hr Rohde stellt sein Modell 1:1 auf der Fläche auf und präsentiert es Interessierten und Fachleuten vor Ort

2000, 31. 07 Spendenkuratorium gibt ersten Bauabschnitt in Auftrag

2000, 24.09. Gottesdienst zum Baubeginn

2000 Oktober Grabmal wird errichtet u.a. mit den Gestaltungselementen: „Tor zu einer anderen Welt“, „Weg der Erinnerung“, Sonne und Mond

2000 November erste Beisetzung in aller Stille

2001 10.01. erste öffentliche Beisetzung, seitdem 4 Beisetzungen im Jahr: Januar, April, Juli, Oktober (jeweils erster Mittwoch, 15.00 Uhr)

2001 März Beginn des Sarg-Projektes der Ludwig-Geissler-Schule

2011 März 10jähriges Jubiläum. Hinzufügung kreuzförmiger Gedenkstein „Allen Kindern ohne Grab“

 

Datum

14. - 20.12. 2020
Vorbei!

Uhrzeit

08:00 - 18:00
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